12 Gründe, warum man Elektroautos nicht an normalen Steckdosen laden sollte

Immer mehr Personen schaffen sich ein Elektroauto an. Neben der Entscheidung, welches Modell man sich denn am liebsten zulegen möchte, stellt sich auch die Frage: Wie und wo soll ich mein Auto künftig aufladen?

Hier steht die Antwort grundsätzlich in den meisten Fällen schon fest: Zuhause natürlich! Denn genau das ist ja auch ein grosser Vorteil von Elektroautos: Man kann sie günstig zuhause mit Strom laden und steigt morgens immer in ein “vollgetanktes” Auto ein - lästige Zwischenstopps an Tankstellen entfallen im Alltag, wenn man lediglich zwischen Zuhause und Arbeitsort pendelt.

Nun gibt es allerdings verschiedene Möglichkeiten, wie diese Ladung zuhause durchgeführt werden kann - nämlich über Steckdosen oder mittels extra für Elektroautos entwickelte Ladestationen. Warum das Laden an der simplen Haushaltssteckdose lieber unterlassen werden sollte? Dafür gibt es verschiedene Gründe:

 

1. Es braucht nicht viel, und die Sicherung löst aus

Haushaltssteckdosen in der Schweiz sind mit 13 Ampere abgesichert. Elektroautos brauchen aber nur schon mindestens 6 Ampere, dass sie überhaupt erst zu laden beginnen, und können, je nach Modell, bis zu 32 Ampere ziehen. Man muss die Ladeleistung des Autos also drosseln und künstlich verlangsamen - und wenn am selben Sicherungskreis noch andere Geräte betrieben werden (was bei Haushaltssteckdosen wahrscheinlich ist), fliegt die Sicherung dennoch raus.

2. Das Laden dauert ziemlich lange

Will man trotzdem die Haushaltssteckdose nutzen und beschränkt den Ladestrom auf knapp 10 Ampere (obwohl man dies eigentlich nicht sollte, siehe Punkt 3), lädt man mit maximal 2.3kW (=10 Ampere * 230 Volt) - das Laden dauert folglich ziemlich lange: Je nach Automodell - zum Beispiel einem Tesla X mit 100kW Akku - dauert das vollladen dann über 40 Stunden. Allerdings muss auch festgehalten werden: Das Auto wird selten mit komplett leeren Akku angeschlossen, da man im Alltag ja meist nur wenige Dutzend Kilometer fährt - und zudem hat man ja doch ca. 12 Stunden Ladezeit, wenn man zB. um 19 Uhr von der Arbeit nachhause kommt und um 7 Uhr früh wieder losmuss. Die langsame Ladezeit ist also sicher kein Vorteil, aber auch nicht das Hauptargument, das gegen die Haushaltssteckdose spricht. Dieses folgt aber als nächstes:

3. Haushaltssteckdosen sind für langes Laden ungeeignet

Obwohl bei Steckdosen bis zu 13 Ampere Stromstärke möglich sind, sollten diese nicht ausgereizt werden: Die Daumenregel besagt, man sollte Haushaltssteckdosen mit nicht mehr als 10 Ampere belasten - bei Dauerbelastungen (wie das Laden von Autos über mehrere Stunden) sogar nur mit maximal 6 Ampere.

Ein Vergleich: Man würde sich ja auch eher unwohl fühlen, zB. einen Föhn oder eine Herdplatte über 10 Stunden lang laufen zu lassen. Haushaltssteckdosen und deren Zuleitungen sind nicht auf Dauerbelastungen ausgelegt und werden längerfristig überlastet, was zu Störungen, Überhitzung und - im schlimmsten Fall - Bränden führen kann.

Bei Versuchen des deutschen Stromkonzerns E.on, bei dem ein Elektroauto mit einer Haushaltssteckdose und einem Verlängerungskabel geladen worden ist, hat sich die Steckdose innert 15 Minuten auf 81° erhitzt - der Ladevorgang musste abgebrochen werden.

4. Kein verriegelter Ladestecker während dem Ladevorgang

Auch in punkto Sicherheit vermögen Haushaltssteckdosen nicht zu überzeugen: Bei einer normalen Steckdose wird der Ladestecker während des Ladevorgangs nicht verriegelt - das heisst, der Stecker kann bei vollem Stromfluss herausgezogen werden. Wie sich jeder vorstellen kann, sollte man das besser unterlassen, sonst riskiert man Funkensprünge und Verletzungen.

5. Es sind teure Sicherheitsupgrades notwendig, um Elektroschocks zu vermeiden

Fehlerstromschutzschalter sorgen dafür, dass es bei Isolationsfehlern nicht zu einem potenziell tödlichen elektrischen Schock kommt. Normale Steckdosen sind nur mit einem Fehlerstromschutzschalter Typ A gesichert. Sobald für das Laden eines Emobils eine Haushaltsteckdose eingesetzt wird, muss zwingend ein Fehlerstromschutzschalter Typ B oder EV eingesetzt werden. Diese Fehlerstromschutzschalter sind teuer – da investiert man lieber direkt gleich in eine Ladestation, die noch viele weitere Vorteile bringt.

6. Nicht genügend Leistung für das Laden von eAutos im Winter

Batterien sind definitiv keine Fans von Kälte. Sie sind während kalten Tagen weniger effizient und weisen verlangsamte chemische Reaktionen auf. Viele eAutos verfügen deshalb auch über ein Vorwärmesystem, was sich allerdings auf die Ladezeit auswirkt - vor allem, wenn nur wenig Leistung zur Verfügung steht und für Heizen und Laden gleichzeitig nicht genug Power vorhanden ist. Haushaltssteckdose, we are looking at you!

7. Leistungsfähigere Elektroautos werden die Regel

Kurz und knackig: Haushaltssteckdosen sind auch deshalb nur eine temporäre Lösung, da Elektroautos in Zukunft immer leistungsfähiger werden und das Laden deshalb noch länger dauert. Steigt man erst mal auf Elektromobile um, lohnt es sich, gleich in die richtige Ausrüstung zu investieren, anstatt Schäden zu riskieren, wenn später wahrscheinlich sowieso auf eine Wallbox umgestellt werden muss.

8. Eine Steckdose kann nicht mit dem Auto kommunizieren

Die Autos werden nicht nur immer leistungsfähiger, sondern auch smarter. Die Kommunikation zwischen Elektrovehikeln und dem Gebäude (bzw. Lademanagement) wird immer wichtiger – einfach ausgedrückt, wird zukünftig nicht nur das Gebäude mit dem Auto, sondern auch das Auto mit dem Gebäude reden. Eine simple Steckdose kann diese Signale nicht weiterleiten.

9. Keine Regulierung des verfügbaren Stroms mittels Lademanagements bei mehreren ladenden Elektroautos

Der Grossteil der Menschen wohnt nicht Einfamilienhäusern mit eigener Garage oder eigenem Stellplatz, sondern in Mehrfamilien- und Wohnhäusern mit grossen Parkplätzen oder Tiefgaragen. Sobald eine Parkinfrastruktur über Parkplätze für mehrere Autos verfügt, ist es extrem wichtig, dass der vorhandene Strom reguliert werden kann. In der eigenen Garage lädt einfach ein Auto und es ist bekannt, wie die Steckdose abgesichert ist. In einer grösseren Parkinfrastruktur weiss man nicht, wie viele Elektroautos laden und welche Steckdosen an welchem Stromkreis angehängt sind.

Auf Parkplätzen und Tiefgaragen ist es deshalb zentral, dass ein gut durchdachtes Lademanagement aufgebaut wird, das den verfügbaren Ladestrom überwacht und entsprechend auf die ladenden Autos verteilt. Hier sollten deshalb niemals Haushaltssteckdosen zum Laden verwendet werden. Spätestens, wenn der 3. oder 4. Mieter ein Elektroauto anschafft, wird die Anlagensicherheit beim Laden über Haushalts- oder auch Industriesteckdosen gefährdet.

10. Keine faire Abrechnung von genutztem Ladestrom pro Person

Ein weiterer Grund, weshalb Steckdosen für das Laden ungeeignet sind, ist die Abrechnung der Ladekosten, denn Steckdosen haben keinen integrierten Energiezähler. In einem Einfamilienhaus ist das vielleicht weniger ein Thema, kann aber zum Beispiel bei Dienstwagen eine Rolle spielen: Wenn der Arbeitgeber das Auto zur Verfügung stellt und auch den “Treibstoff” bezahlt, muss dieser auch in der eigenen Garage gemessen werden können, damit die Gutschrift des Arbeitgebers für das Laden zuhause richtig berechnet werden kann.

Innerhalb von grossen Parkinfrastrukturen für Mieter oder Eigentümer ist der Fall klar: Der Strom des eigenen Parkplatzes muss richtig gemessen werden können, damit der verbrauchte Strom einfach und fair an die jeweiligen Parkplatzbesitzer abgerechnet werden kann.

11. Einbindung von Elektromobilität in ein Energiemanagement ist nicht möglich

In die gleiche Kerbe wie die letzen zwei Gründe schlägt auch das Thema Energiemanagement. Ist ein solches vorhanden - zum Beispiel inklusive Solaranlage auf dem Dach - kann Elektromobilität nicht in das Energiesystem mit eingebunden werden, wenn das Laden über Haushaltssteckdosen geschieht, da sowohl die Möglichkeit der Regelung als auch die direkte Energiemessung des Ladestroms fehlt. Das Gebäude, bzw. das Energiemanagement, kann somit nicht mit der Ladestation kommunizieren: Wenn an einem sonnigen Tag viel günstige Solarenergie produziert wird, kann diese deshalb nicht sofort für das Laden der Elektroautos verwendet werden.

12. Die Steckdose ist nicht Smart Grid ready

Auch unser Stromnetz wird immer klüger: Während sie früher einfach Strom in eine Richtung geschickt haben, ist immer öfter die Zwei-Weg-Kommunikation in beide Richtungen möglich. Ein solches Smart Grid kann zum Beispiel Teile seines Netzes isolieren oder Lastspitzen vermeiden.

Immer mehr Energieversorgungsunternehmen stellen die Anforderung, dass sie Ladeinfrastrukturen zukünftig in besonderen Fällen abschalten oder herunterfahren können müssen – und dieser Zugriff von Energieversorgern auf die Ladeinfrastruktur kann nur über Ladestationen kontrolliert durchgeführt werden. Ausserdem kann eine Steckdose zwar durch Unterbruch der Stromzufuhr ebenfalls abgeschaltet werden – wird die Stromversorgung allerdings wieder hergestellt, so nimmt eine normale Steckdose den Ladevorgang nicht automatisch wieder auf – er muss immer manuell wieder gestartet werden.