Der Strombedarf von Elektroautos ist eine Chance

Riesige Kraftwerke zerstören die Umwelt, Stauseen legen kilometerweite Landschaften trocken, Atomkraftwerke produzieren radioaktiven Müll - und das alles, damit wir Menschen elektrische Energie haben. Und jetzt kommen Elektroautos und benötigen noch mehr Strom. Machen wir dadurch nicht alles nur schlimmer? Mit diesem Artikel möchten wir Sie einerseits beruhigen, andererseits aber auch in die Pflicht nehmen.

Elektroautos sind grundsätzlich viel sauberer und energieeffizienter als Autos mit Verbrennungsmotoren. So viel zur Beruhigung.
 

Es darf ruhig etwas genauer sein?

Ein Elektroauto benötigt, verglichen mit einem Verbrenner, nur einen Drittel der Energie, um zu fahren. Um zum Beispiel 10% aller Fahrzeuge in der Schweiz auf Elektro umzustellen, würde nur ca. 1-2% der heutigen Schweizer Stromproduktion benötigt, dafür aber gleich 360 Millionen Liter Treibstoff und 830‘000 Tonnen CO2 eingespart. Würden sogar alle Schweizer auf Elektromobilität umstellen, würde der Strombedarf im Land gemäss Experten um ca. 20% ansteigen. Gleichzeitig würde der Gesamtenergieverbrauch des Landes allerdings stark abnehmen, da - Sie erinnern sich - verglichen zu herkömmlichen Autos nur ein Drittel der Energie zum Fahren benötigt wird und 3 Millionen Tonnen Sprit eingespart werden könnten. Allein der Energieverbrauch, der nötig ist, um das Benzin bis zu unseren Tankstellen zu transportieren, ist enorm - schliesslich kommt das Erdöl aus Ländern wie Saudi Arabien oder Libyen.

Grundsätzlich kann man festhalten: Der Energiebedarf der Schweiz sinkt, wenn alle Autofahrer auf Elektromobilität umsteigen, und auch die Menge an zusätzlich benötigem Strom ist erstens geringer, als die Mehrheit glaubt, und stellt zweitens keine, wie oft dargestellt, unüberwindbare Hürde dar. Physiker, Elektromobilitäts-Experte und ehemaliger Sieger der Tour de Sol Axel Krause erklärte vor einiger Zeit in einem Interview, er sei überzeugt, dass man mit Investitionen von 20 Milliarden Franken, die sich in zehn Jahren durch tiefere Ölimporte amortisieren würden, den ganzen Mehrbedarf an Strom mit Photovoltaikanlagen auf Gebäuden decken kann. Zudem würde so ein grosser Teil des für Erdöl eingesparten Geldes in die heimische Wirtschaft fliessen, eben zum Beispiel, um die Solaranlagen zu installieren.
 

Die Nachhaltigkeit liegt in Ihrer Hand

Dass die Stromproduktion selbst auch umweltschädigend ist, wissen wir natürlich alle. Umso schöner ist es, dass wir selbst entscheiden können, woher wir unseren Strom beziehen. Falls Sie Sich bisher noch keine Gedanken darüber gemacht haben, ist die Anschaffung eines Elektrofahrzeugs die perfekte Gelegenheit dafür. Das kann schon im Kleinen anfangen: Eine Photovoltaik-Anlage von 20m² kann Solarstrom für 13‘000 bis 18‘000 km pro Jahr erzeugen – je nach Fahrzeug. Und warum nicht gleich komplett auf Ökostrom setzen? Diverse Schweizer Elektrizitätswerke bieten zertifizierte Ökostromprodukte an, und für weniger als 200 Franken Mehrkosten im Jahr kann eine vierköpfige Familie bereits auf Ökostrom umstellen.
 

Der Stromsee: Wie grün ist der Strom aus der Steckdose wirklich?

Was immer wieder kritiesiert wird, ist, dass aus der Steckdose ja sowieso auch wieder Atomstrom fliesst. Das ist grunsätzlich korrekt: Sowohl Ökostrom als auch Atomstrom oder aus fossilen Stoffen gewonnener, sogenannter „grauer“ Strom fliessen in das gleiche Netz und von dort als Mischprodukt zum Verbraucher. Zu welchen Teilen Öko- und grauer Strom dem Netz zugeführt wird, hängt aber von der Nachfrage ab - also von Ihnen. Je mehr Leute auf grüne Energie umstellen, umso grüner wird auch der Strom, der aus der Steckdose kommt.

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Je mehr Gedanken sich jeder Einzelne über die Herkunft und die Nutzung seiner elektrischen Energie macht, desto besser. Und das gilt nicht nur für Hausbesitzer, auch Mieter können Ökostrom wählen. Ausschlaggebend ist, sich zu informieren. Ein gutes Vergleichsportal für den Wechsel zu Ökostrom ist beispielsweise mynewenergy.
 

Effiziente Energienutzung ist das A und O

Das Problem ist grundsätzlich weniger der Mehrbedarf, den die Elektromobilität verursacht, sondern, dass Energie effizient eingesetzt wird. Elektroautos laden vor allem in der Nacht zuhause - während der Zeit, in der hinsichtlich Stromangebot sowieso ein Überangebot vorherrscht, da ein grosser Teil der Stromnutzungsquellen dann ausgeschaltet ist.

Wichtig ist also vor allem die optimale Nutzung des vorhandenen Energieangebots. In diesem Bereich gibt es bereits sehr innovative Ansätze, wie unser easee Equalizer, das die intelligente Steuerung von Strom in Gebäuden ermöglicht:

Anstatt ein festes Stromkontigent für das Laden der Elektroautos festzulegen, das dann gleichmässig auf alle zu ladenden Autos verteilt wird ("dynamisches Laden"), wird der Stromverbrauch in der gesamten Immobilie in real-time gemessen, und erste Prioriät für den Stromverbrauch hat immer das Gebäude - also Wohnungen, Waschmaschinen, Licht, Lift, etc. Der ganze "übrige" Strom - anstatt nur eine fixe, dem Laden zugewiesene Grösse - kann dann auf Elektroautos verteilt werden ("intelligent-dynamisches Laden"). Während also am Feierabend, wenn alle kochen, waschen, und fernsehen, nicht ganz so viel Strom zum Laden der Elektroautos übrig ist, kann jedoch während der Nacht, wenn alle schlafen, ein grosser Teil des Stroms, den das Gebäude vom Elektrizitätswerk zur Verfügung hat, für den Ladevorgang der Autos genutzt werden.

Fazit: Bewusste Entscheidungen und Innvoationen sind gefragt

E-Mobility ist an sich schon eine nachhaltige, umweltbewusste Entwicklung. Genauso wichtig ist allerdings, dass einerseits an innovativen Lösungen gearbeitet wird, damit wir die vorhandene Energie bestmöglich einsetzen können, und anderseits, dass sich der Verbraucher selbst Gedanken macht. Denn Sie können noch viel mehr tun, als nur Ihren Antrieb zu wechseln.