Brandgefahr: Sind Elektroautos gefährlicher als Autos mit Verbrennungsmotor?

Brennender Tesla auf Autobahn

Auf der A2 vor dem Monte-Ceneri-Tunnels ist letzte Woche ein Tesla vom Modell S durch die Leitplanke gekracht und komplett ausgebrannt – der deutsche Fahrer kam ums Leben. Die Tessiner Feuerwehr spekulierte daraufhin auf Facebook, dass der Brand durch einen Defekt der Batterie ausgelöst wurde. Kurz danach verschwand der Beitrag allerdings wieder und die Tessiner Kantonspolizei gab später zu Protokoll, dass es bisher keine Hinweise gäbe, dass die Batterie für den Brand verantwortlich sei. Zu diesem Zeitpunkt hat sich die unbestätigte Meldung der Feuerwehr aber bereits wie ein Lauffeuer verbreitet und wurde von diversen Medien aufgegriffen. Gerade jetzt, wo immer wieder davon gesprochen wird, dass Elektromobilität der Antrieb der Zukunft sein wird, sorgen solche vorschnell veröffentlichen Beiträge für grosse Unsicherheit in der Bevölkerung.
 

Sind Elektroautos hinsichtlich Bränden nun gefährlicher als Autos mit Verbrennungsmotor oder nicht?

Die einfache Antwort darauf ist: Basierend auf der gegenwärtigen Informationslage sind Elektroautos nicht gefährlicher – sie sind wahrscheinlich sogar sicherer. Aufgrund der neuen Technologie und dem allgemeinen Interesse wird aber über Brände bei Elektroautos aber viel mehr berichtet, während brennende Autos mit Verbrennungsmotoren keine Schlagzeile mehr wert sind.

"Die Neigung und der Schweregrad von Bränden und Explosionen von Lithium-Ionen-Batteriesystemen wird voraussichtlich mit denen von Benzin- oder Dieselkraftstoffen vergleichbar sein oder vielleicht etwas darunter liegen", so die Ergebnisse einer eingehenden Untersuchung der Brandgefahren der beiden Fahrzeugarten, die das Battelle Memorial Institut im vergangenen Herbst für die amerikanische Nationale Verkehrssicherheitsbehörde durchgeführt hat. Auch Unfallforscher der deutschen Prüfgesellschaft DEKRA haben die Brandgefahr von Emobilen untersucht und kamen zum Schluss, dass die Flammen- und Rauchentwicklung bei Elektroautobränden sogar geringer ist als bei Diesel- oder Benzin-Autos. Selbiges beim grössten Automobilclub der Welt: Der ADAC hat diverse Tests mit Elektroautos durchgeführt und konnte bei allen Crashversuchen keine eine Beschädigung der Batterien feststellen.

Solche Tests helfen natürlich zur allgemeinen Einschätzung der Gefahren, schlussendlich aber zählt, was auf den Strassen passiert - und Fakt ist, dass Brände von Autos, unabhängig von der Antriebsart, vorkommen. Was für alle Autobrände grundsätzlich gilt, hat ein Feuerwehrmann in der Kommentarspalte des Berichts von 20 Minuten festgehalten: Sind die Insassen nicht eingeklemmt oder können sich selber befreien, überleben sie - sind sie stark eingeklemmt, ist es unwahrscheinlich, dass sie lebend geborgen werden können. Ob der Brand nun in einem Elektroauto oder einem Verbrenner stattfindet, spielt schlussendlich keine Rolle.
 

Was führt zu Bränden in Lithium-Ionen-Batteriem, die Elektroautos antreiben?

Was zu einem Brand der Lithium-Ionen-Batterie führt, ist typischerweise ein Kurzschluss innerhalb einer oder mehrerer Zellen in der Batterie. Dieser Kurzschluss erzeugt Wärme, und wird die Hitze gross genug, können sich die Chemikalien in der Batterie entzünden. Dies kann zum sogenannten "thermal runaway" führen.
 

Was ist ein Thermal Runaway?

In einer Elektroauto-Batterie sind mehrere Tausend Akkuzellen verbaut. Beginnt eine solche Akkuzelle zu brennen, heizt sie permanent ihre Nachbarzellen permanent auf, bis diese ebenfalls Feuer fangen. Dieser Prozess ist als Thermal Runaway („Thermisches Durchgehen) bekannt. Ein Thermal Runaway muss mit sehr viel Kühlwasser unterbunden werden – was bisweilen schwierig sein kann, da die Batterien gut in den Fahrzeugen verbaut und deshalb schwer zu kühlen sind. Das Löschen von Elektroautos nimmt daher sicher mehr Zeit und Löschwasser in Anspruch als das Löschen von Verbrennungsmotor-Fahrzeugen.
 

Was unterscheidet einen Batteriebrand von einem Benzinfeuer?

Der grösste Unterschied ist die Zeit, die zum Zünden benötigt wird. Benzin- und Dieselbrände beginnen sofort, wenn der Treibstoff mit einem Funken in Berührung kommt, und breitet sich schnell aus. Batteriebrände hingegen benötigen normalerweise einige Zeit, um die zum Starten des Feuers erforderliche Wärme zu erreichen. Diese Verzögerung ist grundsätzlich eine gute Nachricht: So haben die Insassen eines in einen Unfall verwickelten Autos genug Zeit, das Fahrzeug zu verlassen, bevor das Feuer ausbricht. Unter gewissen Umständen kann diese Verzögerung aber auch ein Problem darstellen, zum Beispiel, wenn die Batterie unbemerkt beschädigt wird und der Fahrer ist sich des Schadens gar nicht bewusst ist. Das könnte theoretisch ein Feuer verursachen, nachdem das Auto in einer Garage geparkt ist. Bis jetzt ist aber ein solcher Fall noch nicht bekannt.
 

Besteht für die Feuerwehrleute die Gefahr eines Stromschlags beim Löschen von Elektroautos?

Ist ein Elektromobil in Unfall verwickelt, wird der Hochspannungskreislauf automatisch deaktiviert, und zudem ist das Stromnetz des Autos im Gegensatz zum Hausstromnetz nicht geerdet - man müsste also zwischen die Batteriepole geraten, um einen elektrischen Schlag zu bekommen. Die Gefahr eines solchen Stromschlags während dem Löschen ist also beinahe auszuschliessen. Da man Strom aber letztendlich weder sehen noch riechen kann, ist eine 100-prozentige Sicherheit nicht gegeben – zumindest bisher ist noch keine Rettungskraft aufgrund eines Stromschlags zu Schaden gekommen.
 

Kann das Brandrisiko für Elektroautos reduziert werden?

Gegenwärtig wird nach neuen Materialien gesucht, die Batterien nicht nur leichter und effizienter machen, sondern sie auch sicherer machen könnten. Benzin ist grundsätzlich ein sehr riskantes Material und wir haben 130 Jahre Erfahrung und Design, um ein benzinbetriebenes Fahrzeug so sicher wie möglich zu machen – die Sicherheitsunterschiede von frühen und heutigen Verbrennungsmotoren sind massiv. Eine ähnliche Verbesserung kann auch bei Batterien erwartet werden: Hier sind wir noch in einem frühen Stadium der Entwicklung und Experten sind überzeugt, dass die jetzt schon sehr hohe Sicherheit von Batterien in Zukunft noch gesteigert werden kann.