Sieben Jahre nach der Gründung schlägt simplee ein neues Kapitel auf. Die Gründer Deborah Bottana und Michi Keel sprechen über den bewussten Entscheid, einen CEO zu suchen, ihre künftigen Rollen und warum Fokus auch in einer wachsenden Organisation entscheidend bleibt.
Das Gespräch findet an einem besonderen Ort statt: in jenem Café im Glatt, in dem vor sieben Jahren die ersten Ideen für simplee auf Notizblättern entstanden sind. Sieben Jahre später sitzt ihr wieder hier.
Deborah: Hier hat alles begonnen. Damals hatten wir viele Ideen, aber noch keinen Businessplan, keine Mitarbeitenden und keine Ahnung, wohin die Reise führen würde. Heute hier zu sitzen, macht uns bewusst, wie weit wir gekommen sind und gleichzeitig, wie viel noch vor uns liegt.
Michi: Es erinnert uns auch daran, unter welchen Umständen wir gegründet haben. Dieser Ort und der Keller in meinem damaligen Zuhause war unser Office. Heute hier zu sein heisst auch, zu sehen, woher wir kommen, und eine gewisse Demut und Bodenständigkeit zu verspüren.
Ihr habt als zwei grundverschiedene Menschen gemeinsam etwas Grosses aufgebaut. Wie schafft man das?
Michi: Meine Passion liegt darin, mit einem Team zu arbeiten, die spezifischen Stärken zu nutzen und gemeinsam erfolgreich sein zu können. Ich begeistere Menschen für eine gemeinsame Vision, schaffe Orientierung und begleite Teams dabei, gemeinsam zu wachsen. Gute Führung bedeutet für mich, Menschen zu motivieren, zu fördern und ihr Potenzial zu entfalten. Für mich ist es zudem essenziell, dass in einem Unternehmen viel Know-how und tiefe Kenntnisse für die Perspektive der Kundschaft vorhanden ist. Durch meinen Background im Installationsgeschäft und mein Interesse an innovativen Geschäftsmöglichkeiten passte dieser Schritt für mich von Anfang an.
Deborah: Meine Stärke liegt darin, komplexe Ökosysteme zu analysieren, unterschiedliche Welten und Systeme zusammenzubringen und sie in funktionierende End-to-End-Prozesse zu übersetzen. Unsere Gegensätzlichkeit erklärt beides: Warum simplee erfolgreich wurde und warum die operative Führung nun in andere Hände gelegt werden muss.
simplee wächst weiter. Mit neuen Mitarbeitenden, einem erweiterten Portfolio und all den Möglichkeiten, die sich daraus ergeben. Warum ist gerade jetzt der richtige Zeitpunkt, die operative Führung neu aufzustellen?
Michi: Weil Wachstum irgendwann neue Strukturen verlangt. In den letzten Jahren haben wir gemerkt, dass wir gleichzeitig Gründer, Unternehmer, Strategen und operative Geschäftsführer sind. Das funktioniert eine Zeitlang sehr gut, kostet aber auf Dauer enorm viel Fokus und Energie.
Gleichzeitig Gründer, Unternehmer, Strategen und operative Geschäftsführer zu sein kostet auf Dauer enorm viel Fokus und Energie.
Fokus war schon immer einer unserer wichtigsten Erfolgsfaktoren. Wir glauben deshalb, dass dieser Grundsatz nicht nur für unser Geschäft gilt, sondern auch für unsere Organisation und für uns persönlich. Es gibt Momente, wo es von Vorteil ist, wenn man Verwaltungsrat von sich selber als CEO ist, aber ab einer gewissen Grösse und Komplexität birgt es auch Risiken.
Deborah: Wir sehen im Markt aktuell unglaublich viele Chancen. Neue Partnerschaften, neue Märkte und neue Möglichkeiten, unsere Vision weiterzutragen. Dafür braucht es Zeit, Präsenz und unternehmerischen Freiraum.
Bei mir kommt auch eine persönliche Komponente dazu: Ich bin international verwurzelt, habe lange im Ausland gelebt, und viele enge Freunde leben heute in verschiedenen Ländern. Künftig möchte ich mir mehr örtliche Flexibilität schaffen, um diese Beziehungen bewusster zu pflegen und gleichzeitig neue internationale Chancen für simplee zu erschliessen.
Ist dieser Schritt emotional?
Michi: Natürlich. simplee ist unser Herzensprojekt. Aber wir sehen den CEO-Wechsel nicht als Loslassen, sondern als Weiterentwicklung. Unser Ziel war immer, das Unternehmen so aufzustellen, dass es sich bestmöglich entwickeln kann.
Deborah: Veränderung bringt immer auch Unsicherheit mit sich. Man verlässt Vertrautes, und das fühlt sich im ersten Moment oft unbequem an. Aber wenn ich auf die letzten Jahre zurückblicke, waren genau diese Veränderungen im Nachhinein die richtigen Entscheidungen. Sie haben uns wachsen lassen. Als Unternehmen und auch persönlich. Deshalb blicken wir diesem nächsten Schritt mit grosser Vorfreude entgegen.
Welche Persönlichkeit sucht ihr?
Deborah: Jemanden, der unsere Strategie gemeinsam mit dem Team zum Leben bringt. Eine Persönlichkeit mit Führungsstärke, unternehmerischem Denken und Freude daran, Menschen weiterzuentwickeln. Wer lieber verwaltet als gestaltet, wird in einem Markt wie unserem schnell an Grenzen stossen.
Michi: Wir suchen eine Person, die brennt – nicht für sich, sondern für das Team und unsere Vision. Eine Person, die morgens ins Büro kommt, weil sie will, nicht weil sie muss. Die Freude daran hat, andere wachsen zu sehen, die im Erfolg zurücktritt und bei Herausforderungen vorangeht. Uns ist wichtiger, wie jemand führt als wo jemand gearbeitet hat. Unsere Kultur, unsere Werte und unser Miteinander sind ein grosser Teil unseres Erfolgs. Das soll auch in Zukunft so bleiben.
Wie verändern sich eure Rollen?
Deborah: Wir bleiben beide voll engagiert. Unser Fokus verschiebt sich einfach stärker auf die Themen, bei denen wir langfristig den grössten Beitrag leisten können: Vision, Innovation, Partnerschaften und die Weiterentwicklung von simplee.
Michi: Auf strategischer Ebene in der Rolle eines aktiv agierenden Verwaltungsrates können wir in Zukunft wieder viel gezielter und effektiver bei der Entwicklung der Unternehmung mithelfen. Ich freue mich sehr darauf.
Wenn ihr euch in sieben Jahren wieder hier trefft: Woran werdet ihr erkennen, dass dieser Entscheid der richtige war?
Deborah: Wenn wir in ein paar Jahren zurückblicken, wünsche ich mir, dass wir unserem Anspruch treu geblieben sind: Nicht möglichst viel zu machen, sondern die richtigen Dinge richtig gut. Dass wir den Mut hatten, Nein zu sagen, auf Chancen zu verzichten, die nicht zu uns passen, und unseren Fokus nie aus den Augen verloren haben. Denn genau daraus entsteht langfristig Qualität.
Wir wollen nicht möglichst viel machen, sondern die richtigen Dinge richtig gut. Den Mut haben, Nein zu sagen, auf Chancen zu verzichten, die nicht zu uns passen, und unseren Fokus nie aus den Augen verlieren.
Michi: Ich bin jetzt schon absolut überzeugt, dass dieser Entscheid der richtige ist, weil der Nutzen für die Entwicklung von simplee offensichtlich ist. Wenn Deborah und ich uns wieder mehr auf unsere Stärken fokussieren können, hat dies nur Vorteile. Das Loslassen dieser Rolle ist nur schwierig, weil ich sie sehr gerne ausgeübt habe. Es geht hierbei aber nicht um mich, sondern um die langfristige Entwicklung von simplee. Wenn wir sagen können, dass wir den Mut hatten, die Organisation immer wieder an das Wachstum anzupassen, ist das für mich ein absoluter Erfolg. Für uns ist das kein Bruch mit unserer Geschichte, sondern deren konsequente Fortsetzung. Die spannendste Zeit von simplee liegt noch vor uns.
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